Die perfekte Bewerbung

Berufliche Neuorientierung – Die unterschätzten Risiken des Bleibens

By on 6. August 2017

Was ist gefährlicher: Eine Autofahrt von München nach Hamburg oder eine Safari durch Namibia? Jemand mit wenig Reiseerfahrungen wird wohl spontan eine Reise in Afrika als viel riskanter einschätzen. Dabei lauern wahrscheinlich – statistisch betrachtet – auf deutschen Autobahnen viel größere Gefahren. Aber so funktionieren wir nun einmal: Die Schattenseiten des Vertrauten ignorieren wir leicht, während unser Gehirn die Gefahren des Unbekannten gern überschätzt.

Davon kann so mancher ein Lied singen, der schon lange mit seiner beruflichen Situation unzufrieden ist

Der aktuelle Job kann offensichtlich ein Auslaufmodell sein, der morgendliche Gang ins Büro eine Quälerei – aber trotzdem bleiben viele Menschen lieber passiv und machen sich nicht auf die Suche nach einer stimmigeren Tätigkeit. Anstatt eine präzise Vorstellung davon zu entwickeln, was er wirklich tun will und kann, geht so mancher automatisch davon aus, entweder sowieso keine Alternativen zu haben – oder nur zu viel ungünstigeren Bedingungen. Und über allem steht bei den meisten die Angst vor Unsicherheit. Alles jenseits des Status quo erscheint dann als inakzeptabel riskant – ohne sich damit beschäftigt zu haben, welche Risiken genau zu erwarten sind.

Natürlich muss ich mit Unsicherheiten rechnen, wenn ich meine Komfortzone verlassen und mir berufliches Neuland erschließen möchte

Was viele Menschen hingegen unterschätzen, sind die Risiken des Bleibens. Denn es ist eine Illusion, dass uns nichts Schlimmes geschehen kann, solange wir alles lassen, wie es ist. Ist mein Job sicher, wenn ich stets fleißig bin und nicht aufmucke? Kann ich mich auf die Perspektive verlassen, die mir mein Arbeitgeber verspricht? Wohl kaum. Nur auf eines kann ich ganz sicher vertrauen: Die nächste Umstrukturierung kommt bestimmt, und mit dem nächsten Chef, dem neuen Vorstand oder dem Verkauf des Unternehmens wird sowieso alles anders werden. Und die Zusagen von gestern? Kann man dann vergessen.

Sich am Status quo festzuhalten ist so sicher wie das Festklammern am Rand des Schwimmbeckens

Man kann es perfektionieren, aber klüger ist es, schwimmen zu lernen. Bezogen auf die Arbeitswelt bedeutet das, sich selbst um das eigene Karrieremanagement zu kümmern. Besser selbst handeln und für Entwicklung sorgen, als darauf zu warten, dass andere für und über mich entscheiden. Und wenn die aktuelle Tätigkeit dies nicht zulässt und ich meine Ziele hier nicht verwirklichen kann? Dann ist es Zeit, mich mittelfristig woanders umzuschauen.

Auch hier kann mir mein Gehirn allerdings einen Streich spielen

Wir haben nämlich die unangenehme Neigung, automatisch davon auszugehen, dass es nur gibt, was wir schon kennen. Der Wirtschaftspsychologe Daniel Kahneman nennt diese Verzerrung unserer Wahrnehmung WYSIATI – What you see, is all there is. Ich nehme nur solche beruflichen Möglichkeiten als existent wahr, die ich ohnehin schon kenne. Mehr gibt’s nicht, und warum sollte ich dann suchen?

Kein Wunder, wenn viele Menschen lieber auf ihrem toten (Job-)Pferd sitzen bleiben, als sich nach einem gesünderen umzusehen…

Natürlich kann die berufliche Neuorientierung auch schiefgehen. Die spannend klingende Aufgabe, ein neues Team oder der erträumte Job – möglicherweise erweisen sie sich als Blindgänger. Das ist nicht angenehm. Aber jemand, der gelernt hat, Entwicklungen selbst in die Hand zu nehmen, wird nicht lange klagen, sondern sich erneut auf den Weg machen. Schließlich ist er ja kein Am-Beckenrand-Festklammerer mehr…

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