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Erschöpft, müde, antriebslos – leide ich unter Burn Out?

By on 8. Oktober 2014

Die Zahl der Menschen, die an Burn Out erkranken, nimmt stetig zu. Dabei sind es nicht nur Berufstätige, die unter dieser totalen Erschöpfung leiden. Burn Out kann als gesellschaftliches Problem bezeichnet werden: Eine Gesellschaft, in der hoher Leistungsdruck vorherrscht und in der ein Mensch anhand seines Leistungsvermögens beurteilt wird, fördert Stress auf allen Ebenen. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) sieht in Stress die größte Gefahr für die Gesundheit in diesem Jahrhundert.

Gestresst sein als Zeichen für Leistungsfähigkeit und Leistungswillen

Stress gehört mittlerweile zum normalen Alltag dazu. Wer keinen Stress hat, kann nicht viel leisten – so die allgemeine und oft unausgesprochene Überzeugung. Burn Out wird als Modekrankheit verschrien. Manche glauben, diese Erkrankung sei Einbildung und die Betroffenen sollen sich nicht so anstellen. Andere sehen Menschen mit Burn Out fast als Helden an, zeigt doch diese Krankheit, wie viel der Betroffene geleistet hat und wie fleißig er war.

Zudem wird Burn Out meistens mit der beruflichen Situation verbunden. Dabei steckt die Ursache dieser Erschöpfung häufig ganz woanders. Da diese Krankheit jedoch eher akzeptiert wird, wenn der Grund in einem stressigen Berufsleben liegt, wird die Ursache oftmals dort gesucht.

In der Regel waren die Betroffenen zunächst voller Elan und mit Feuer und Flamme bei der Sache. Mit der Zeit ist die Flamme erlöscht und der Mensch fühlt sich auf allen Ebenen ausgebrannt. Das ist auch das gefährliche an Burn Out: Die Krankheit verläuft schleichend, sodass die ersten Anzeichen übersehen und nicht ernst genommen werden.

Stress entsteht immer dann, wenn man sich unter Druck gesetzt fühlt. Dehalb betrifft Burn Out auch nicht nur Berufstätige. Selbst derjenige, der seiner Berufung nachgeht, ist vor dieser extremen Form der Erschöpfung nicht gefeit und ebenso kann die Hausfrau und Mutter betroffen sein.

Dieser Druck erfolgt entweder von außen oder man setzt sich selbst unter Druck. Mit der Zeit fühlen sich die Betroffenen immer mehr fremdbestimmt und haben das Gefühl, nichts daran ändern zu können.

Reizüberflutung und Anforderungen der Gesellschaft

Der gesellschaftliche Druck spielt eine ebenso große Rolle, wie der Leistungsdruck in der Berufswelt. Alles ist schnelllebiger geworden und aufgrund der technischen Möglichkeiten sind die meisten Menschen von Reizen überflutet. Das Smartphone muss immer dabei sein und man hat das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen. Freizeit und Beruf gleiten ineinander über. Es gibt kaum noch eine Grenze, denn auch an den freien Arbeitstagen schaut man seine Emails nach oder nimmt Anrufe von Kollegen und Chef entgegen.

Mal eben eine SMS schreiben, mal eben etwas in den sozialen Netzwerken wie Facebook posten. Kaum jemand bleibt im Hier und Jetzt: Es wird sich mit Freunden getroffen, doch wenn das Smartphone piepst, ist das wichtiger, als sich mit seinen Mitmenschen zu unterhalten. Multitasking – eine Fähigkeit, die man sich besser nicht aneignen sollte, denn sie führt zu Stress und Druck.

In Deutschland, so wie in anderen Industrieländern, geht es in erster Linie um Produktivität und Wachstum. Dadurch laufen viele Menschen Dingen hinterher, die Glück bringen sollen, es aber nicht tun. Die Gehaltserhöhung bringt nicht zwangsläufig mehr Zufriedenheit mit sich und die neuen Designermöbel mögen eventuell anfangs ein Glücksgefühl bescheren, das sich aber nicht lange hält.

Die Anforderungen der Gesellschaft sind teilweise sehr hoch geschraubt. Zum Beispiel haben es Mütter heute fast schwerer, als die Mütter voriger Generationen. Eine Mutter, die zuhause bleibt und sich um ihre Kinder kümmert, gilt als faul. Eine Mutter, die arbeiten geht, gilt als Rabenmutter. Diese Personengruppe muss sich zwangsläufig unter Druck gesetzt fühlen, denn egal wie sie handelt, es ist immer falsch.

Die Werte haben sich verschoben und dennoch sind bei den meisten Menschen die „alten“ Wertvorstellungen vorhanden. Das stressige Zeitalter zieht Wünsche nach mehr Zeit, Minimalismus oder die Vorstellung von „back to the roots“ mit sich. Diese Wünsche und Vorstellungen werden erfolgreich verdrängt – bis das Ausgebranntsein auf allen Ebenen zu einem Umdenken zwingt.

Wer ist besonders gefährdet, an Burn Out zu erkranken?

Es gibt einige Faktoren, die das Burn Out Risiko erhöhen. Diese Persönlichkeitseigenschaften spielen eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung eines Burn Outs:

  • Ehrgeiz
  • Perfektionismus
  • Nicht Nein sagen können
  • Helfersyndrom
  • Fehlende Strategien zur Stressbewältigung

Ehrgeizige Menschen tragen dann ein höheres Burn Out Risiko in sich, wenn sie ein zu geringes Selbstwertgefühl haben. In dem Fall wird ihr Ehrgeiz dadurch angetrieben, stets besser sein zu wollen. Sie möchten – oft unbewusst – sich selbst und anderen Mitmenschen beweisen, wozu sie in der Lage sind und was sie alles schaffen können. Dabei überhören sie die Signale des Körpers, die Stress anzeigen. Dieser „falsche“ Ehrgeiz bringt eine ständige, innere Unruhe mit sich, mit der Entspannung kaum möglich ist. Somit wird viel Energie verbraucht, aber keine neue Energie aufgetankt.

Perfektionisten stellen extrem hohe Anforderungen an ihre eigene Person. Sie möchten in allen Bereichen perfekt sein und da kein Mensch perfekt ist, erreichen sie nie ihr Ziel. Das führt zu einem immensen Druck und zu permanenter Unzufriedenheit. Bleibt die Anerkennung seitens der Mitmenschen aus, folgt Enttäuschung. Damit sie diese Anerkennung bekommen, strengen sie sich häufig noch mehr an. Auch hier wird der Akku allmählich leerlaufen, da nicht dafür gesorgt wird, neue Kraft zu tanken.

Wer nicht Nein sagen kann, ist ständig darum bemüht, den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Diese Menschen vergessen sich selbst und ihre Grenzen. Oftmals geschieht das aus Angst vor Konflikten und dem Streben nach Harmonie. Mit der Zeit fühlen sie sich überfordert, da niemand in der Lage ist, es allen Menschen Recht machen zu können.

Das Helfersyndrom ist meistens bei Menschen mit geringem Selbstwertgefühl zu finden. Durch ihre Hilfsbereitschaft fühlen sie sich gebraucht und wertvoll. Auch bei dieser Eigenschaft werden eigene Grenzen und Bedürfnisse nicht beachtet, das mit der Zeit zu einem Ausgebranntsein führen kann.

Fehlen Strategien, um Stress aushalten zu können, wird der Leistungsdruck stetig höher. Zu diesen Strategien gehören unter anderem das Delegieren von Aufgaben, abschalten zu können, das Loslassen, Selbstbestimmung und ein gutes Organisationstalent.

Anzeichen für Burn Out

Die Symptome von Burn Out werden häufig mit denen der Depression verwechselt. Beim Burn Out steht jedoch nicht, wie bei der Depression, die tiefe Traurigkeit im Vordergrund.

Am Anfang haben die meisten Betroffenen das Gefühl, zu wenig Zeit für sich selbst zu haben. Zudem wächst die Unzufriedenheit,doch häufig kann man die Gründe dafür noch nicht benennen. Es entsteht mehr und mehr das Gefühl, wie automatisch zu funktionieren und aus dem Hamsterrad nicht herauszufinden.

Im Laufe der Zeit stellen sich am häufigsten folgende Anzeichen ein:

  • chronische Müdigkeit und Erschöpfung
  • abnehmende Leistungsfähigkeit
  • Lustlosigkeit (auch das Interesse an geliebten Hobbys lässt nach)
  • Stimmungsschwankungen
  • Gereiztheit
  • Das Versagensgefühl nimmt zu
  • Angst bis hin zur Panik, da man sich den täglichen Anforderungen nicht mehr gwachsen fühlt
  • Schlafstörungen
  • depressive Erschöpfungsphasen
  • Kraftlosigkeit

Die Betroffenen ziehen sich immer mehr zurück, nehmen nur noch wenig oder gar kein Anteil mehr am gesellschaftlichen Leben. Die Sinnfrage drängt sich in den Vordergrund und man fühlt sich innerlich leer, wie ausgebrannt.

Der Satz „Ich kann nicht mehr!“ wird entweder häufig gedacht oder ausgesprochen. Dabei versuchen die Betroffenen weiterhin, trotzdem mit ihren Aufgaben weiterzumachen.

Bei Burn Out bringt ein Urlaub keine Besserung mit sich. Diese tiefe Erschöpfung betrifft Körper, Geist und Seele und ist nicht mit ein paar Wochen oder Tagen Urlaub zu beheben. Da die Ursache für Burn Out in der Regel sehr tief steckt, sollten sich Betroffene professionelle Hilfe bei einem Coach oder Psychotherapeuten suchen.

Bei Burn Out muss nach der tatsächlichen Ursache geforscht werden, damit Betroffene nicht wieder in diese Falle tappen. Wie oben bereits erwähnt, wird der Beruf häufig als Grund genannt, auch von den Betroffenen. Doch in Wirklichkeit stehen ihnen beispielsweise der Perfektionismus, das Helfersyndrom oder das nicht Nein Sagen können im Weg.

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